Kickstarter vs. Indiegogo: Welche Plattform ist besser für Spiele?
Zwei Plattformen, eine Entscheidung – und die kann über den Erfolg deines Spieleprojekts mitentscheiden. Ob Brettspiel, Kartenspiel oder Indie-Videospiel: Kickstarter und Indiegogo bieten unterschiedliche Voraussetzungen, die für Entwickler sehr unterschiedliche Konsequenzen haben. Dieser Vergleich hilft dir, die richtige Wahl zu treffen.
Was unterscheidet Kickstarter und Indiegogo grundsätzlich?
Kickstarter ist die ältere und bekanntere der beiden Plattformen, gegründet 2009 mit einem klaren Fokus auf kreative Projekte. Indiegogo startete im selben Jahr, positioniert sich aber bewusst breiter und flexibler – sowohl für kreative als auch für kommerzielle Projekte.
Für Indie-Spieleentwickler ist der wichtigste Unterschied das Finanzierungsmodell: Kickstarter arbeitet ausschließlich mit dem Alles-oder-Nichts-Prinzip, Indiegogo bietet beide Optionen an. Das klingt zunächst nach einem klaren Vorteil für Indiegogo – ist es aber nicht zwangsläufig, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Was die Reichweite betrifft: Kickstarter hat eine deutlich größere organische Community, insbesondere im Spielebereich. Indiegogo punktet mit mehr Flexibilität und einem globalen Ansatz, der Projekte aus mehr Ländern akzeptiert.
Finanzierungsmodelle im Vergleich: Alles-oder-Nichts vs. flexible Finanzierung
Das Finanzierungsmodell bestimmt, was mit dem eingesammelten Geld passiert, wenn das Kampagnenziel nicht erreicht wird. Bei der Alles-oder-Nichts-Finanzierung (All-or-Nothing) erhalten Backer ihr Geld zurück, falls das Ziel verfehlt wird – du als Entwickler bekommst nichts. Bei der flexiblen Finanzierung behältst du alle eingegangenen Mittel, unabhängig vom Ergebnis.
Klingt die flexible Variante verlockend? Für Spieleprojekte ist sie oft die schlechtere Wahl. Der Grund: Backer wissen, dass ihre Unterstützung auch dann fließt, wenn das Projekt zu wenig Geld erhält, um tatsächlich umgesetzt zu werden. Das senkt das Vertrauen und damit die Bereitschaft, überhaupt zu unterstützen.
Das Alles-oder-Nichts-Modell schafft dagegen einen psychologischen Hebel: Unterstützer wissen, dass ihre Zusage nur dann zählt, wenn das Projekt wirklich finanziert wird. Das erzeugt Dringlichkeit und fördert das Teilen der Kampagne im eigenen Netzwerk. Für ambitionierte Spieleprojekte mit realistischem Finanzierungsziel ist das oft der stärkere Ansatz.
Gebühren und Konditionen: Was kostet eine Kampagne wirklich?
Beide Plattformen erheben Gebühren auf erfolgreich eingesammelte Mittel – die genauen Konditionen unterscheiden sich aber im Detail.
Kickstarter berechnet bei erfolgreichen Kampagnen eine Plattformgebühr von 5 % sowie Zahlungsabwicklungsgebühren von 3–5 % (abhängig vom Betrag und Land). Scheitert die Kampagne, fallen keine Gebühren an.
Indiegogo erhebt ebenfalls 5 % Plattformgebühr, dazu kommen Zahlungsgebühren von rund 3–5 %. Bei flexibler Finanzierung fallen diese Kosten auch dann an, wenn das Ziel nicht erreicht wurde – ein wichtiger Punkt, den viele Erstentwickler übersehen.
In der Praxis sind die Gesamtkosten ähnlich. Der entscheidende Unterschied liegt im Risikoprofil: Wer mit flexibler Finanzierung arbeitet, zahlt Gebühren auch auf Mittel, die für ein nicht vollständig finanziertes Projekt eingehen. Für Spieleprojekte mit klarem Produktionsbudget kann das problematisch werden.
Community und Reichweite: Wo sind die Spieler wirklich aktiv?
Kickstarter hat im Spielebereich die deutlich stärkere Backer-Community – das ist keine Meinung, sondern eine strukturelle Realität. Die Kategorie "Games" gehört seit Jahren zu den umsatzstärksten auf der Plattform, mit einer eingespielten Gemeinschaft aus erfahrenen Unterstützern, die aktiv nach neuen Projekten suchen.
Brettspiele und Kartenspiele profitieren besonders davon. Viele Backer auf Kickstarter kennen das Format, verstehen Stretch Goals und haben bereits mehrfach Kampagnen unterstützt. Diese Community-Reife senkt die Hemmschwelle für neue Unterstützer erheblich.
Indiegogo hat eine breitere, aber weniger spielespezifische Community. Das bedeutet nicht, dass dort keine Spieleprojekte erfolgreich sind – aber der organische Traffic aus der Plattform selbst ist geringer. Wer auf Indiegogo startet, muss seine Backer stärker aus eigenen Kanälen mitbringen.
Ein fairer Punkt für Indiegogo: Die Plattform akzeptiert Projekte aus mehr Ländern und hat weniger strenge Zulassungsvoraussetzungen. Für Entwickler außerhalb der USA, UK oder Kanada kann das relevant sein.
Funktionen für Spieleprojekte: Stretch Goals, Updates und InDemand
Beide Plattformen bieten die Kernfunktionen, die für Spielekampagnen nötig sind – aber mit unterschiedlichen Stärken.
Stretch Goals (Streckziele) lassen sich auf beiden Plattformen kommunizieren, sind aber kein technisches Feature, sondern eine Kampagnenstrategie. Kickstarter-Backer sind damit vertrauter, was die Kommunikation erleichtert. Wer sein erstes Spiel launcht, trifft auf Kickstarter auf ein Publikum, das das Konzept bereits kennt.
Indiegogos InDemand-Funktion ist ein echter Vorteil: Nach dem Ende einer erfolgreichen Kampagne können Projekte weiterhin Vorbestellungen annehmen – ohne eine neue Kampagne starten zu müssen. Das ist besonders nützlich für Brettspiele, die nach der Kampagne weiter Aufmerksamkeit generieren. Interessant: Auch erfolgreiche Kickstarter-Kampagnen können anschließend zu Indiegogo InDemand wechseln, was einige Entwickler gezielt nutzen.
Kickstarter bietet außerdem regelmäßige Update-Funktionen, die die Bindung zur Backer-Community stärken. Für Spieleprojekte mit langer Produktionszeit – Brettspiele brauchen oft 12–18 Monate vom Funding bis zur Auslieferung – ist diese Kommunikationsfunktion nicht zu unterschätzen.
Wann ist Kickstarter besser – und wann Indiegogo?
Die Antwort hängt vom Spieletyp, der eigenen Community und dem Risikoappetit ab. Hier eine klare Orientierung:
Kickstarter ist die bessere Wahl, wenn:
- du ein Brettspiel oder Kartenspiel entwickelst und von der aktiven Tabletop-Community profitieren möchtest
- dein Projekt ein klar definiertes Produktionsbudget hat und das Alles-oder-Nichts-Modell als Qualitätssignal wirken soll
- du noch keine eigene große Community hast und auf organischen Traffic der Plattform angewiesen bist
- du Stretch Goals als zentrales Kampagnenelement planst
Indiegogo macht mehr Sinn, wenn:
- du aus einem Land kommst, das Kickstarter nicht unterstützt
- du ein Indie-Videospiel mit einer bereits bestehenden Fangemeinde startest und flexible Finanzierung als Sicherheitsnetz nutzen möchtest
- du nach einer erfolgreichen Kampagne langfristig Vorbestellungen über InDemand annehmen willst
- das Projekt experimentell ist und ein geringeres Finanzierungsziel hat
Für die meisten Brettspiel- und Kartenspiel-Projekte von Indie-Entwicklern ohne eigene große Community ist Kickstarter der realistisch bessere Startpunkt. Bei Videospielen ist die Entscheidung weniger eindeutig – hier zählt die mitgebrachte Community oft mehr als die Plattform selbst.
FAQ: Häufige Fragen zu Kickstarter und Indiegogo für Spiele
Kann man ein Spiel gleichzeitig auf Kickstarter und Indiegogo launchen?
Gleichzeitige Kampagnen auf beiden Plattformen sind technisch möglich, aber strategisch riskant. Backer-Energie und Aufmerksamkeit sind begrenzt – wer sie aufteilt, schwächt beide Kampagnen. Die gängige Praxis ist, zuerst Kickstarter zu nutzen und danach über Indiegogo InDemand weiterzuverkaufen.
Was passiert, wenn eine Kickstarter-Kampagne ihr Ziel nicht erreicht?
Erreicht eine Kickstarter-Kampagne ihr Finanzierungsziel nicht, werden alle Zusagen der Backer storniert. Niemand wird belastet, du erhältst kein Geld – und zahlst auch keine Gebühren. Das Projekt kann zu einem späteren Zeitpunkt neu gestartet werden.
Welche Plattform eignet sich besser für Brettspiele vs. Videospiele?
Für Brettspiele ist Kickstarter klar vorne – die Tabletop-Community ist dort tief verwurzelt. Bei Videospielen ist die Plattformwahl weniger entscheidend als die mitgebrachte Community. Viele erfolgreiche Indie-Videospiele wurden auf beiden Plattformen finanziert.
Wie lange sollte eine Spielekampagne laufen?
30 Tage gelten als bewährter Richtwert. Kürzere Kampagnen (21–25 Tage) erzeugen mehr Dringlichkeit und performen oft besser, wenn bereits eine aktive Community vorhanden ist. Längere Kampagnen flachen in der Mitte erfahrungsgemäß ab.
Benötigt man einen fertigen Prototyp für eine erfolgreiche Kampagne?
Einen vollständig fertigen Prototyp brauchst du nicht zwingend – aber Backer erwarten Belege für die Ernsthaftigkeit des Projekts. Fotos, Spielregeln, ein Gameplay-Video oder ein spielbarer Demo-Build erhöhen das Vertrauen erheblich und senken die Abbruchquote.
Welche Plattform letztlich die richtige ist, hängt von deinem Projekt, deiner Reichweite und deinem Risikoappetit ab. Für die meisten Indie-Spieleentwickler, die ein Brettspiel oder Kartenspiel starten, bietet Kickstarter den strukturell stärkeren Einstieg – mit einer Community, die bereit ist, neue Spiele zu entdecken und zu unterstützen.